Das moderne Stadtzentrum zwischen der Oper und der rumänisch-orthodoxen Kathedrale
teilt sich in zwei Fußgänger-Promenaden. Auf der westlichen Seite verläuft der „Corso“, wie
er traditionell von den Einwohnern Temeswars genannt wird. Die östliche Promenade wird
als „Surrogat“ bezeichnet, was im Wortsinn „Ersatz“ oder „Stellvertretung“ bedeutet. Auf dem
Corso flanierte die feine Gesellschaft des Temeswarer Bürgertums, hier gab es die
Luxusgeschäfte und teuren Restaurants. Auf der anderen, in der Temeswarer
Umgangssprache „Maschik-Seite“ genannt (von ungarisch „másik“, die andere) trafen sich
die Leute mit bescheidenem Einkommen, weniger elegant gekleidet, und die Jugend.
Zwischen "Corso" und "Surrogat" befindet sich eine langgestreckte Parkanlage, deren
Bänke inmitten von Büschen, Sträuchern und Blumen zum Verweilen einladen. Zur
angenehmen Atmosphäre der Grünanlage trägt der in der Mitte gelegene sogenannte
„Fischbrunnen“ bei, der seit den 50er Jahren den Platz ziert. Ursprünglich als
kommunistisches Symbol mit der Einfassung eines fünfzackigen Sterns erbaut, sprudelte
das Wasser aus den Mäulern der bronzenen Fische über den Rand hinaus.
In der kommunistischen Zeit war der Brunnen Treffpunkt der Sport-Fans, die sich über die
Fußballspiele des Wochenendes austauschten, aber gern auch ins Politisieren kamen. Da
der Brunnen stets von Tauben umgeben war, verabredete man sich konspirativ „bei den
Tauben“ („la porumbei“), um sich über Politik und Tratsch auszulassen.
Nach der Revolution bekam das Wasserbecken im Zuge einer Sanierung eine runde Form,
die auch bei der vor kurzem erfolgten neuerlichen Renovierung beibehalten wurde. Der
Brunnen ist nach wie vor ein beliebtes Fotomotiv und Anziehungspunkt für Einheimische und
Besucher.
Ein weiteres Wahrzeichen am Corso ist die Kapitolinische Wölfin, die Richtung Kathedrale
nach dem Brunnen auf einer Säule steht. Die beiden Gründer Roms Romulus und Remus
säugend, ist sie eine exakte Nachbildung der Lupa Capitolina in Rom und ein Geschenk
dieser Stadt aus dem Jahr 1926 als Zeichen der gemeinsamen romanischen Wurzeln des
italienischen und des rumänischen Volkes.
Nach einer Verabredung am Fischbrunnen oder nach einem Stadtbummel hat man die Qual
der Wahl zwischen zahlreichen einladenden Straßencafés, deren Tische den Rand der
Flaniermeile säumen.