Heute kann man sich den Corso, das neue Zentrum Temeswars, das Anfang des 20.
Jahrhunderts nach der Schleifung der alten Festungsmauern entstand, ohne die Kathedrale
an seinem Ende nicht vorstellen.
Und doch dauerte es eine Zeit, bis das Gelände des langgestreckten Platzes, seit der
Wende auf rumänisch "Piata Victoriei" genannt, eine Begrenzung erhielt. Den krönenden
Abschluss des neuen urbanen Mittelpunkts zum grünen Ufer der Bega hin bildet die
rumänisch-orthodoxe Bischofs- und Metropolitankathedrale Zu den Heiligen Drei Hierarchen.
Die orthodoxe Kathedrale entstand in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre nach Plänen des
Architekten Ion Traianescu. Er schuf ein Gotteshaus in einem interessanten Stilmix. Es
enthält durch die Seitengewölbe Elemente des byzantinischen Stils, doch die Kuppeln
fehlen. Stattdessen erheben sich insgesamt elf Türme, deren Dachziegeln bunt-emailliert
sind und typisch rumänische Schmuckmuster ausbilden. Die große Kuppel im
neumoldauischen Stil lässt an Klöster der Moldau denken, aber auch Andeutungen an den
Baustil der Hagia Sophia, der berühmtesten byzantinischen Kathedrale, sind
im Konzept der Temeswarer orthodoxen Kathedrale vorgesehen. Von Kopf bis Fuß ein
Gesamtkunstwerk, ist der Boden der Kathedrale durch das Mosaik mit Mustern der
traditionellen Banater Teppiche eine Reminiszenz an die historische Region, deren
religiöses Zentrum dieses Gotteshaus darstellt.
In der Zwischenkriegszeit war Temeswar als die nun westlichste Stadt Rumäniens zu einer
neuen Blüte gelangt. Das Selbstbewusstsein der auch wirtschaftlich florierenden Hauptstadt
des Banats, das auf rumänisch als „Stirn des Landes“ bezeichnet wird, im regionalen
rumänischen Dialekt “Banatu-i fruncea”, manifestiert sich auf exemplarische Weise in der
orthodoxen Kathedrale.
Die Weihe erfolgte 1946 durch den noch amtierenden Monarchen König Michael in einer
schweren Zeit des Umbruchs. Es folgten Repressalien der kommunistischen Diktatur, mit
denen die neuen Machthaber nicht nur die orthodoxen Christen, sondern alle
Glaubensrichtungen zu unterdrücken versuchten.
Der Freiheitskampf der Bevölkerung im Aufstand von 1989 fand nicht zufällig unmittelbar vor
den Stufen der Kathedrale statt und so befindet sich genau hier das zentrale Mahnmal für
die Opfer der Revolution.
Die orthodoxe Kathedrale, das religiöse Zentrum des Banats, erfreut sich großer Beliebtheit
und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Diese beinhalten auch die einmalige Sammlung von Kirchenkunst im Kellergeschoss, wo
auch die Gebeine des Schutzpatrons der rumänisch-orthodoxen Gläubigen des Banats
liegen.
Die orthodoxe Kathedrale ist heute, das kann man ohne Übertreibung feststellen, ein
wichtiges Wahrzeichen Temeswars, das den „Corso“ auf eine besondere Weise krönt.