Die Fassade der Temeswarer Oper, die an einen Triumphbogen erinnert, wurde zum
Wahrzeichen der revolutionären Ereignisse, die sich von Temeswar ausgehend im
Dezember 1989 zum Volksaufstand ausweiteten und zum Sturz des kommunistischen
Regimes in Rumänien führten.
Damals versammelte sich auf dem Platz vor dem Gebäude eine riesige Menschenmenge,
die vielstimmig Freiheit einforderte und dafür ihr Leben aufs Spiel setzte. Die Oper diente
den Anführern der Revolution als Versammlungszentrum, die Loggia der Fassade bot die
Bühne für ihre Reden. Durch die Bilder, die damals um die Welt gingen, wurde die Oper zum
Symbol der neu erkämpften Freiheit.
Das Theatergebäude ist ursprünglich ein Werk der Wiener Architekten Fellner und Helmer,
die im Jahr 1871 mit dem Bau ein gesellschaftliches Zentrum europäischer Prägung für das
Temeswarer Bürgertum schufen.
Wie in den meisten der 50 europäischen Städte, in denen Helmer und Fellner ihre
Theaterbauten errichteten, war auch in Temeswar kurz zuvor die barocke Stadtbefestigung
geschliffen worden. Ein schnelles Wachstum mit Repräsentationsbauten am Rand der
Altstadt war auch hier die Folge.
Das Operngebäude entstand in drei großen Bauphasen, die zwei letzteren erfolgten jeweils
nach Zerstörung durch Brand.
Der trapezförmige Grundriss vereinigt ursprünglich die drei Nutzungen Theater, Hotel und
einen Ballsaal, auch Redoutensaal genannt. Die Räumlichkeiten des Theaters befanden
sich dabei im Zentrum, das Hotel und der Redoutensaal in dem Seitenflügel, zur heutigen
Str. Alba Iulia hin.
Im Jahr 1880 zerstörte ein Brand das Theater, während das Hotel weitgehend gerettet
wurde. Schon zwei Jahre später folgte nach dem Wiederaufbau die Neueröffnung des
Theaters.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1920, geriet das Theater abermals in Brand. Dabei
wurde der Innenraum zerstört, die Fassade jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Auch
das Hotel- und der Ballsaal konnten gerettet werden.
Die dritte Bauphase des Gebäudes trägt die Handschrift des neuen Staates Rumänien, zu
dem Temeswar nun gehörte. Obwohl mit dem Umbau schon Mitte der 20er Jahre begonnen
wurde, erhielt die Temeswarer Oper schließlich erst im Jahr 1935 mit einer Fassade im
neobyzantinischen Stil ihr neues Gewand. Dafür wurde der historische Fassade von Fellner
& Helmer eine Travertinfassade vorgeblendet.
Heute gibt es im gleichen Gebäude vier unabhängige Bühnen unter einem Dach: Die
Rumänische Staatsoper, das Rumänische Nationaltheater „Mihai Eminescu“, das
Ungarische Staatstheater „Csiky Gergely“ und das „Deutsche Staatstheater Temeswar“. Ein
Besuch des breiten Kulturangebots der vier Bühnen lohnt. Sprachbarrieren sind dabei
zweitrangig, denn es gibt zu vielen Aufführungen auch Untertitel. Damit ist die Oper in
Temeswar nicht nur ein Wahrzeichen für die Befreiung, sondern auch für Vielfalt und damit
als Kulturhaus einzigartig in Europa.