Das Hunyadi-Kastell

Im Zeichen der Lilie und des Raben

Das Temeswarer Hunyadi-Schloss ist das älteste Gebäude der Stadt. Seine Gründung geht auf den ersten Besuch des damaligen ungarischen Königs Karl Robert von Anjou im Jahr 1307 zurück, dem Temeswar strategisch und politisch so günstig gelegen erschien, dass er die Stadt als seine Residenz wählte. So ließ er sich bald darauf mit italienischen Baumeistern einen standesgemäßen Herrschaftssitz bauen. Durch eine Urkunde ist der Einzug des Königs in die neue Residenz belegt. Karl Robert, dessen Wappen von einer stilisierten Schwertlilie geschmückt war, ließ sich mit seinem gesamten Hofstaat in Temeswar nieder. Händler, Handwerker und Künstler aus Italien und Deutschland zog es in die aufblühende Stadt.


Das Schloss war, wie im Mittelalter üblich, Schauplatz von höfischer Prunkentfaltung. Der ausschweifende Lebensstil und die rauschenden Feste des Königs wurden mit hohen Kirchensteuern finanziert, was Karl Robert in Konflikt mit dem Klerus brachte. Schließlich zog der Erbauer des Temeswarer Schlosses weiter und verlegte seine Residenz nach Visegrad an der Donau.


Rund hundert Jahre später, Anfang des 15. Jahrhunderts wurde ein Italiener namens Filippo Scolari zum Temescher Grafen ernannt. Er ließ das Schloss von italienischen Baumeistern neu gestalten und die Stadtbefestigungen verstärken. Unter ihm sind mehrere erfolgreiche Feldzüge gegen die Türken belegt, sein letzter, kurz vor seinem Tod, 1426 mit der Schlacht bei Golubac.


In einer Verordnung aus dem Jahr 1718 wurde die Errichtung zweier Stadtmagistrate genehmigt, eines deutschen für die katholische Bevölkerung und eines sogenannten "raizischen" für die serbische und rumänische Bevölkerung. Auf dem Dachgiebel des "deutschen" Rathauses ist auch heute noch das damalige Wappen zu sehen: Eine Burg, wie die von Eugen von Savoyen eroberte Palisadenfestung mit Türmen.


Der Herrscher, der dem heutigen Kastell den Namen gab, war Johann Hunyadi. Der Woiwode von Siebenbürgen übernahm 1441 auch die Grafschaft Temeswar.


Nach den Zerstörungen durch ein Erdbeben ließ er das Schloss auf den Grundmauern aus der Anjou-Zeit wieder aufbauen und erneuern. Aus seiner Zeit stammt der rechteckige Grundriss mit mächtigen Eckbastionen und zwei Toren, der heute noch besteht. Mitte des 15. Jahrhunderts verlegte Hunyadi seine Residenz von Klausenburg nach Temeswar. Von hier aus brach er 1448 mit seinem Heer zu der Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Osmanen auf, als Teil einer Koalition der verbliebenen unabhängigen christlichen Reiche unter der Führung Ungarns. Die Schlacht endete mit einer verheerenden Niederlage. In der Folge besiegte er aber die damals nach Europa drängenden Türken in mehreren Feldzügen.


Von Temeswar aus wurde eine Allianz von Adelsfamilien geschlossen , die seinem Sohn Matthias Corvinus die ungarische Krone sichern konnte. Im Familienwappen der Hunyadi befand sich ein Rabe (lat. corvus), der während der Dauer der Herrschaft des Corvinus auch für Temeswar galt.


Nach der Eroberung Temeswars durch die Osmanen im Jahr 1552 wurde das Schloss zum Sitz des Paschas, weswegen es von Prinz Eugen von Savoyen während der Belagerung Temeswars 1716 stark zerstört wurde. Auch in der Revolution von 1848/49 geriet das Hunyadi Kastell unter Beschuss und wurde so stark zerstört, dass danach ein fast vollständiger Wiederaufbau nötig war. Die Rekonstruktion im neugotischen Stil verlieh dem Schloss schließlich sein heutiges Aussehen.


Das Banater Nationalmuseum, das seit der Nachkriegszeit in dem geschichtsträchtigen Gebäude untergebracht war, musste einer erneuten Renovierung weichen, deren Abschluss noch nicht absehbar ist. Es bleibt zu hoffen, dass bestimmte Räumlichkeiten im Zeichen der Europäischen Kulturhauptstadt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Piața Jancu Huniade, 1

1308 - 1315, 1443, 1856