Das erste jüdische Wohnviertel ist von den Straßen „Mărăsești, Gheorghe Lazăr, Emanoil
Ungureanu und Eugeniu de Savoya“ begrenzt. Hier lässt sich der Ursprung der jüdischen
Gemeinde in Temeswar in einem kleinen Häusergeviert nachvollziehen, in dem die in der
Stadt verbliebenen jüdischen Einwohner in drei Häusern lebten. Diese Häuser bildeten den
Kern des späteren Ensembles, das „Judenkarree“ genannt wurde. In der Zeit der
Habsburger gab es in Temeswar sowohl sephardische Juden, die ursprünglich aus Spanien,
Portugal und Nordafrika stammen, als auch später hinzugezogene jiddisch sprechende
Ashkenazim aus dem deutschsprachigen Westeuropa.
Da der erste Gebetsraum der wachsenden Gemeinde bald nicht mehr genug Platz bot,
wurde 1760 an der Ecke der heutigen „Mărăsești- mit der Gheorghe-Lazăr-Str. mit dem Bau
eines Gebäudekomplexes begonnen, in dem zwei Synagogen, - eine für die Sepharden und
eine für die Ashkenazim -, ein rituelles Bad (Mikwe), eine Schule (heder), ein koscheres
Schlachthaus, ein Gasthaus und eine Krankenstation untergebracht waren. Die Synagogen
durften, den Restriktionen gegen die Juden aus der Zeit Maria Theresias entsprechend, von
der Straßenfront nicht zu erkennen sein und mussten vom Innenhof aus betreten werden.
Im
Jahr 1849, bei der Belagerung der Temeswarer Festung durch die ungarische
Revolutionsarmee, wurden die Synagogen schwer beschädigt. Zwar wurden sie repariert,
doch sie erwiesen sich aufgrund der wachsenden Gemeinde als zu klein. An der Stelle der
alten Gebäude entstand nach den Plänen des Architekten Lipot Baumhorn und der
Bauaufsicht von Martin Gemeinhardt ein imposantes Gemeindezentrum, das 1906
eingeweiht wurde. Mit Erkern und Türmen versehen, durch zahlreiche pflanzliche und
menschliche Ornamente geschmückt, und auch durch die Asymmetrie der Fassade ist es
ein Paradebeispiel des Sezessionsstils in Temeswar. Die Einweihung, zu der sich der
multikulturellen Vielfalt Temeswars entsprechend, die Honoratioren aus allen Volksgruppen
versammelten, läutete die Blütezeit des jüdischen Lebens in Temeswar ein, die bis in die
Zwischenkriegszeit andauern sollte.
Heute trifft sich in den Räumen des jüdischen Gemeindehauses eine kleine, aber durchaus
aktive Gemeinde. Hier werden Feste und Konferenzen veranstaltet, aber auch kulturelle
Veranstaltungen, die die lange Tradition des jüdischen Lebens in Temeswar
aufrechterhalten.
Das Ende des 19.Jahrhunderts war reif für den Bau einer neuen Synagoge, die nach der
Vereinigung der beiden jüdischen Glaubensrichtungen allen Juden der Inneren Stadt als
Kultstätte dienen sollte. Die Synagoge in der Innenstadt wurde nach den Plänen des
österreichischen Architekten Carl Schumann errichtet und 1865 eröffnet. Sie ist inspiriert von
der nach Plänen Gottfried Sempers 1840 errichteten Synagoge in Dresden mit maurischem
Innenraum und Elementen der Romantik. Entsprechend der Größe der gewachsenen
jüdischen Gemeinde in Temeswar und der gleichberechtigten Stellung der jüdischen Bürger
ab 1867 bot das Gebäude Platz für etwa 3000 Personen und gehörte somit nicht nur zu den
größten Synagogen Europas, sondern auch zu den schönsten. Ein Höhepunkt und eine
wichtige Würdigung jüdischen Lebens in Temeswar war der Besuch von Kaiser Franz
Joseph dem I., der die Synagoge anlässlich seines Aufenthalts in Temeswar 1872
besichtigte.
1985 wurde die Synagoge wegen Baufälligkeit geschlossen. Nach Sanierungsarbeiten fand
im Jahr 2022, 150 Jahre nach dem Besuch des Kaisers, eine festliche Wiedereröffnung der
innerstädtischen Synagoge statt.