Eine wenig spektakuläre Straßenecke in der historischen Innenstadt erinnert an ein
spektakuläres Ereignis, das eine Zeitenwende in Temeswar markierte. Ein Gebäude an der
Ecke Eugeniu de Savoia/Marasesti-Str. bezeichnet die Stelle, wo Prinz Eugen von Savoyen
am 18. Oktober 1716, seinem Geburtstag, durch das Forforoser Tor einzog und die über 160
Jahre lange türkische Herrschaft beendete.
Damit begann Temeswars Eingliederung in den
Einflussbereich der Habsburger und der Anschluss der Stadt an Mitteleuropa. Fortan im
Andenken an den großen Feldherrn und Eroberer Prinz-Eugen-Tor genannt, blieb es auch
nach der Umgestaltung Temeswars mit neuen Mauern und Bastionen durch die Habsburger
erhalten. Selbst als nach dem Abriss der alten Festung ein Gebäude an deren Stellung trat,
wurde der Ort markiert, an dem der legendäre Eroberer die Stadt erstmals betreten hatte.
Über der Eingangstür des Hauses entstand in einem Medaillon eine malerische Darstellung
des abgetragenen Prinz-Eugen-Tores und auch das Haus wurde mit dem Namen des
glorreichen Feldherrn verknüpft. Die Malerei war im Lauf der Zeit verblasst, die Erinnerung
an die Eroberung nicht. Und so wurden 300 Jahre nach dem Ritt Prinz Eugens von Savoyen
durch das Tor zwei Gedenkplatten enthüllt und die Wandmalerei über dem Eingang
restauriert.
Nach dem Abzug der osmanischen Truppen waren auch 144 jüdische Bewohner
Temeswars in der Stadt geblieben, die sich in dem Bereich um das Prinz-Eugen-Haus
angesiedelt hatten. In der ersten Hälfte des 18.Jh. nutzten sie diesen Ort fast ein
Vierteljahrhundert lang als Gebetsstätte. Die heute unscheinbare Straßenecke steht somit
gleichzeitig für den Weg Temeswars in die Moderne und den Neubeginn des jüdischen
Lebens in der Habsburger Monarchie. Beides sollte der Stadt Wohlstand und Innovation
bringen und das unverwechselbare Stadtbild sowie die einzigartige Toleranz und Liberalität
Temeswars begründen.