Der Sankt-Georgs-Platz ist einer der geschichtsträchtigsten Orte der Stadt. Er entstand erst,
nachdem die Kirche, deren Patron der Heilige Georg war, Platz machte für die
Stadtentwicklung der neuen Habsburger Herrscher. Die St. Georgs- Kirche war eines der
ältesten Gotteshäuser von Temeswar. Sie stammte noch aus dem Mittelalter, als die Stadt
Residenzstadt des ungarischen Königs war. Während der rund 150 Jahre dauernden
türkischen Herrschaft in Temeswar wurde sie als große Moschee genutzt. Mit dem Bau des
Doms in der Zeit der Habsburger Herrschaft verlor sie zunehmend an Bedeutung und wurde
schließlich abgerissen.
Der Platz wurde dadurch zu einem wichtigen Verkehrspunkt: Von hier aus konnte man
schon ab 1869 die Pferdebahn Richtung Josephstadt und Fabrikstadt nehmen, ab 1899
übernahm dann die elektrische Straßenbahn die öffentliche Beförderung der Fahrgäste.
An die Stelle der Georgskirche traten neue, imposante Bankgebäude nach dem Vorbild der
Wiener Ringstraße, eine Leihbibliothek und das weit über die Stadt hinaus bekannte
Fotoatelier Josef Kossak. Heute ähnelt der Platz, der um ein paar Stufen tiefer gelegt ist,
einem Amphitheater. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch eine archäologische
Ausgrabung, bei der die Grundmauern der alten Kirche und Fragmente der Moschee
sichtbar wurden. In der Mitte des Platzes steht, an den Namenspatron erinnernd, eine
Bronzestatue des Heiligen Georg, hoch zu Pferd, der gegen das Böse kämpft. Der
Drachenbezwinger steht auf einer Säule mit einer Gedenktafel, die den in der Revolution
umgekommenen Kindern gewidmet ist. Somit wird der Ort zu einem Mahnmal gegen das
kommunistische Regime, das nicht davor zurückschreckte, auch unschuldige Kinder zu
opfern.
Der heute tiefer gelegene St. Georgs Platz ist dazu geeignet, dem Alltagstrubel zu entfliehen
und in dem modernen Amphitheater inmitten der alten Ruinen eine Pause einzulegen.