Mehrere der barocken Gebäude am Domplatz wurden im Lauf der Zeit verändert und dem
architektonischen Geschmack späterer Epochen angepasst. So entstanden dort Anfang des
20. Jahrhunderts einige Palais in dem damals in verschiedenen Städten Europas in Mode
gekommenen Jugendstil, dessen Wiener Variante „Secessionsstil“ genannt wird. Dass
dieser Stil in Temeswar, das sich gern auch „Klein Wien“ nannte, häufig aufgegriffen wurde,
ist nicht verwunderlich.
An der Südseite des Platzes, an der Ecke zur Gheorghe-Lazăr-Straße, liegt das Miksa
(Max)-Steiner-Palais, das nach seinem Bauherrn und Besitzer, einem jüdischen Unternehmer, benannt wurde. Miksa Steiner war Gründungsaktionär der Skonto-Bank, deren Sitz sich im Erdgeschoss des zweistöckigen Mietshauses befand.
Die Schöpfer dieses Jugendstil-Juwels waren die bekannten Budapester Architekten Marcell
Komor und Dezsö Jakab. Mit der asymmetrischen Form, der gewellten Fassade mit abgerundeten Ecken, den blauen Fayence Ornamenten und den schmiedeeisernen Geländern und Gittern präsentiert sich das Palais als ein meisterhaftes Gesamtkunstwerk. Die hochwertige Keramik an der inzwischen in hellen blautönen gehaltenen Fassade stammt aus der ungarischen Porzellanmanufaktur Zsolnay und umraht in Blumen oder Herzform einen Bienenstock, Symbol des Fleißes und des Wohlstands als Anspielung auf den Sitz der Bank im Erdgeschoss. Wegen der runden Formen und wellenförmigen Elemente an der Fassade wirkt das Miksa-Steiner-Palais wie ein Vorläufer der Gebäude von Antoni Gaudi. Die feinen Dekorationen, die in ihrer Filigranität wie Konditorkunst anmuten, haben dem delikaten Palais des Laugenfabrikanten Miksa Steiner den Spitznamen "Zuckerbäckerhaus" eingebracht.