Der ungarische Name von Temeswar (Temesvár) bedeutet in der deutschen Übersetzung
wörtlich "Temesch-Burg". Es verwundert jedoch, dass der Temesch-Fluss, nach dem die
Stadt benannt ist, einige Kilometer weiter entfernt vorbei fließt. Dafür umrundet ein anderes
Gewässer die ehemalige Festung, der Bega-Kanal.
Vor der Kanalisierung mäanderten beide Flüsse in wildem, ungeregeltem Lauf in einem
ausgedehnten Sumpfgebiet um Temeswar. Unter der technischen Leitung von militärischen
Fachleuten wurden die Nebenflüsse 1727-1733 unter der Herrschaft der Habsburger
getrennt und die Bega kanalisiert. Die Trockenlegung der Sümpfe unter dem damaligen
Gouverneur Graf Mercy erfolgte aus strategischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt
sanitären Gründen. Der Bega-Kanal wurde schiffbar und zu einem wichtigen Transportweg.
Heute wird der Fluss, der gemächlich durch die Stadt fließt, für die Personenbeförderung
genutzt. Im Jahr 2018 bekam der örtliche öffentliche Nahverkehrsbetrieb die Genehmigung,
sieben Vaporettos als öffentliche Verkehrsmittel mit je 50 Sitzplätzen einzusetzen. Die
Anlegestellen für die Schiffe erstrecken sich entlang des Kanals und bieten die Möglichkeit,
auf dem Wasserweg in die historischen Stadtviertel Josefstadt, Elisabethstadt und
Fabrikstadt zu gelangen. Temeswar ist somit die einzige rumänische Stadt mit öffentlichen
Verkehrsmitteln auf dem Wasser.
Das Bega-Ufer ist eine grüne Oase mitten in der Stadt, mit Promenaden, Fahrradwegen und
einladenden Terrassenlokalen. Rudern und Kajakfahren haben auf der Bega eine lange
Tradition, im Sommer bieten Strandbäder eine willkommene Erfrischung.
Am Ufer der Bega liegen auch die schönsten Parks der Stadt.
Der allerschönste davon ist der Rosengarten, den die Landschaftsarchitekten und
Rosenzüchter Wilhelm Mühle und Wenzeslas Niemetz 1891 anlässlich der Ausstellung für
Industrie und Landwirtschaft als königlichen Franz-Josephs-Park anlegten. Kein geringerer
als Kaiser Franz-Joseph persönlich war bei der Eröffnung anwesend. Wilhelm Mühle, der
2013 posthum zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, und sein Sohn Árpád machten
den nach französischen Vorbildern angelegten Park mit über 1.400 Rosensorten zum
bedeutendsten Rosarium in Südosteuropa. Ihrem Wirken ist es zu verdanken, dass
Temeswar auch heute noch den Titel "Stadt der Rosen" verdient. Mit einer Bühne für
Sommertheater ist der Rosenpark darüber hinaus ein wichtiger Kulturstandort in der Stadt.
Es gibt keinen geeigneteren Rahmen für eine sommerliche Aufführung als den romantischen
Rosengarten am Ufer der Bega.