Klein aber fein, obwohl von geringer Größe, ist der Platz namens „Maria“ einer der
bekanntesten Orte in Temeswar. Dort steht, zwar auf den ersten Blick unscheinbar, doch bei
näherem Hinsehen durchaus stilvoll, die Marien-Statue, die dem Platz den Namen gibt. Die
Gottesmutter, die aus dem fernen Belgien nach Temeswar gelangt ist, steht in einer 1906
entstandenen neoklassizistischen Kapelle aus Carrara Marmor mit sechs fantasievoll
dekorierten Säulen, die ein Gewölbe tragen. Der Legende nach steht sie an der Stelle, wo
die Hinrichtung des Anführers des Bauernaufstands György Dózsa (Gheorghe Doja), der
Anfang des 16. Jahrhunderts ein Heer gegen Adel und Klerus führte, stattgefunden haben
soll.
Fast 500 Jahre später begann an der Stelle, wo der Aufstand geendet hatte, eine neue
Revolte: hier begann der Volksaufstand gegen die Kommunistische Diktatur unter Nicolae
Ceausescu.
Auf der Rückseite des Platzes "Maria", vor dem Haus der Reformierten Ungarischen
Kirchengemeinde, versammelten sich Gläubige im Dezember 1989 zu einer Mahnwache
gegen die Zwangsversetzung ihres Pfarrers László Tökés, dem staatsfeindliche Aktivitäten
vorgeworfen wurden. Der Funke sprang schnell auf immer mehr Bewohner der Stadt über:
Vor allem junge Leute aller Nationalitäten demonstrierten unter Lebensgefahr für die Freiheit
und gegen die herrschende Tyrannei.
Die Staatsmacht reagierte mit äußerster Brutalität. Temeswar wurde abgeriegelt und vom
Geheimdienst und der Armee belagert. Es gab viele Tote, der Aufstand aber war nicht mehr
zu stoppen. Von Temeswar aus verbreitete er sich in ganz Rumänien und führte schließlich
zum Ende des kommunistischen Regimes.
Für die Einheimischen war und ist die „Maria“ ein Verkehrsknotenpunkt, der Generationen
zur Orientierung diente. Jedes Kind kannte den Ort als Schnittpunkt zwischen Josefstadt,
Elisabethstadt und der Bega Brücke zur inneren Stadt. Ob mit der „Elektrischen“, dem Auto
oder zu Fuß - der kleine Platz „Maria“ war ein Zwischenziel.
Unsere Tour führt uns von hier nach links in die „Doja-Gasse“, Idylle zwischen zwei
Stadtteilen.