Die Evangelische Stadtkirche

Vom turmlosen Provisorium zum eleganten Gotteshaus

Wenn man die Kanone, die die Bastion bewacht, um 30 Grad nach rechts dreht, sieht man in Schusslinie eine Kirche.


Es handelt sich dabei um die evangelische Stadtkirche, die im Jahr 1839 wohlweislich turmlos gebaut worden war, um nicht unter Beschuss zu geraten. Eine steckengebliebene Kanonenkugel im Mauerwerk des Gemeindehauses neben der Kirche zeigt, dass diese Vorsichtsmaßnahme nicht übertrieben war.


Der Kirchturm wurde erst im Jahr 1902 hinzugefügt, inzwischen hatte sich die Kriegführung verändert und man begann, die alte Stadtbefestigung abzutragen. Vor den modernen Geschossen der Neuzeit hätten die Mauern keinen Schutz mehr geboten. Erst das Schleifen der Verteidigungsanlagen ermöglichte die Entwicklung des modernen Temeswar.


Der erste evangelische Gottesdienst in Temeswar wurde im Jahr 1795 abgehalten. Da die evangelische Gemeinde keine Kirche besaß, fand dieser zunächst in verschiedenen städtischen Institutionen statt. Im Jahr 1824 wurde die Vereinte Evangelische Gemeinschaft gegründet und der Bau der Kirche beschlossen. Am 27. Oktober 1839 fand die feierliche Weihe der Kirche statt.


Obwohl die Habsburger den katholischen Glauben installierten und förderten, ist es bemerkenswert, dass bereits Ende des 19. Jh. eine evangelische Gemeinde entstand. Es spricht für die Liberalität der Stadt, dass sich neben der Kirche schon im Jahr 1825 eine evangelische Knabenschule befand.

Piața Ionel I. C. Brătianu

1730-1736